Von Evolution zu Revolution: Business-IT neu gedacht
Seit 2010 hat sich die Business-Software stark gewandelt. Cloud Computing, künstliche Intelligenz, Automatisierung und offene Schnittstellen prägen die Business-IT. Auch die Anforderungen der Anwenderinnen und Anwender wandeln sich, zum Beispiel durch mobiles Arbeiten sowie den Wunsch nach besserer Usability.

Die IT steht nie still – daher sollte es niemanden überraschen, dass sich in den vergangenen 15 Jahren auch im Bereich Business-Software so einiges getan hat. Die wichtigsten technologischen Entwicklungen seit 2010 sind:
- Cloud Computing und SaaS: Der wohl grösste Umbruch in den vergangenen 15 Jahren war der Übergang von lokalen Installationen zu Cloud-Lösungen. Anfang der 2010er-Jahre zögerten viele Unternehmen noch, geschäftskritische Software aus der Cloud zu beziehen, oft aus Sorge um Datenhoheit und -sicherheit. Doch mit der Zeit setzten sich Software-as-a-Service-Modelle durch. Cloud-Angebote machten leistungsfähige ERP- und CRM-Systeme auch für kleinere Firmen erschwinglich und skalierbar, was zuvor meist Grossunternehmen vorbehalten war.
- Automatisierung von Geschäftsprozessen: Über die Jahre wurden immer mehr manuelle Aufgaben durch digitale Workflows ersetzt. Die Integration von KI, IoT und anderen Technologien in ERP-Systeme erhöht den Automatisierungsgrad und verbessert die Entscheidungsfindung erheblich.
- Workflow-Engines in ERP/CRM ermöglichen heute konsequent digitalisierte End-to-End-Prozesse ohne Medienbrüche. Auch kamen Robotic-Process-Automation-Tools (RPA) auf, die Routineaufgaben übernehmen. Die enge Verzahnung zwischen ERP-Systemen und RPA hat die Prozesseffizienz nochmals deutlich gesteigert.
- API-Economy und Integration: Früher galten ERP-Lösungen oft als Monolithen, heute müssen sie sich nahtlos in eine vielfältige Systemlandschaft einfügen. Das ERP-System als Daten-Hub mit offenen Schnittstellen (RESTful APIs, Webservices) ist oder wird zum Muss.
- Anwenderinnen und Anwender erwarten, dass ihre Business-Software etwa mit E-Commerce-Plattformen, Payment-Diensten, Social Media, Marketing-Automation und anderen Anwendungen nahtlos interagiert.
- Künstliche Intelligenz (KI) und Analytics: In den vergangenen Jahren halten KI-Technologien vermehrt Einzug in Business-Software. Noch ist vieles bloss Marketing. Aber moderne ERP-Systeme nutzen bereits Machine Learning und Analytics, um etwa Prognosen zu verbessern, Anomalien in Finanzdaten aufzudecken oder personalisierte Kundenansprachen zu ermöglichen. KI-gestützte ERP-Systeme können repetitive Aufgaben weiter automatisieren, Echtzeit-Einblicke liefern und Entscheidungsprozesse unterstützen.
Veränderungen in den Anforderungen der Anwenderinnen und Anwender
- Mobiles und dezentrales Arbeiten: Die Arbeitswelt hat sich seit 2010 stark flexibilisiert. Aussendienstmitarbeitende, Homeoffice und verteilte Teams erfordern ortsunabhängigen Zugriff auf Unternehmenssoftware. Entsprechend fordern Anwenderinnen und Anwender mobile Lösungen: Smartphones und Tablets sollen wichtige ERP- und CRM-Funktionen bereitstellen. Die Softwarehersteller haben darauf reagiert – mit responsiven Weboberflächen und nativen Apps.
- Benutzerfreundlichkeit und UX: Waren ERP-Systeme früher oft für ihre komplexe, wenig intuitive Bedienung berüchtigt, vollzog sich hier mittlerweile ein Paradigmenwechsel. Die neue Generation ist die Nutzerfreundlichkeit von Consumer-Apps gewöhnt und erwartet diese auch im Beruf. Unternehmen messen der Usability inzwischen hohe Bedeutung bei – leicht verständliche, intuitive Software wird besser akzeptiert und intensiver genutzt.
- Dezentrale Collaboration und Echtzeit-Informationen: Neben der reinen Mobilität erwarten Anwender auch bessere Zusammenarbeitstools in der Software. Funktionen wie gemeinsames Arbeiten an Dokumenten, integrierte Chat- oder Kommentarfeatures im ERP/CRM sowie Echtzeit-Reportings sind gefragter denn je. Dies hängt eng mit dem Siegeszug der Cloud zusammen, die es ermöglicht, von verschiedenen Standorten simultan auf dieselben Daten zuzugreifen.
Aktuelle Trends und zukünftige Entwicklungen
- KI-gestützte Geschäftsprozesse: Im Topsoft-Trendkompass 2025 kam bei einer nicht repräsentativen Umfrage bei Anwenderinnen und Anwendern von Business-IT heraus, dass die Automatisierung im ERP-System, KI/Machine Learning und Cybersecurity die höchste Priorität geniessen. Auch IT-Fachleute aus verschiedenen Organisationen kamen zu ähnlichen Ergebnissen.
Und das wissen auch die IT-Anbieter: Durch Fortschritte bei KI und Machine Learning werden ERP-, CRM- und Buchhaltungssysteme zunehmend "intelligent". Virtuelle Assistenten stehen schon in den Startlöchern, um Anwendern Routineaufgaben abzunehmen (etwa automatisierte Monatsabschlüsse oder die personalisierte Kundenansprache über Chatbots). Anbieter integrieren KI-Services wie Prognosemodelle oder Anomalieerkennung direkt in ihre Plattformen. - Nachhaltigkeit und Green IT: Nachhaltigkeit ist zu einem wichtigen Thema auch in der Business-Software geworden. Moderne Lösungen ermöglichen etwa das Tracking von Emissionen entlang der Lieferkette oder die Optimierung von Routen und Produktionsplänen im Sinne der Ressourcenschonung. ERP-Systeme werden somit auch als Enabler gesehen, um Nachhaltigkeitsstrategien umzusetzen.
- Datenschutz und Sicherheit: Mit der zunehmenden Digitalisierung wächst die Verantwortung, die sensiblen Daten zu schützen. Schweizer Unternehmen legen grossen Wert darauf, dass ihre Daten im Land verbleiben – aufgrund strenger Datenschutzgesetze, Geschäftsgeheimnisse und hoher Sicherheitsstandards. Dieser Trend dürfte sich fortsetzen.
Die Zukunft: Goodbye SaaS, hello Agents-as-a-Service!
Die nächste Evolutionsstufe der Business-Software zeichnet sich durch einen radikalen Wandel aus: SaaS, wie wir es kennen, tritt in den Hintergrund, während Agents-as-a-Service (AaaS) bereits jetzt die Bühne betritt. Diese KI-gesteuerten Agenten übernehmen nicht nur repetitive Aufgaben, sondern agieren proaktiv, analysieren Daten in Echtzeit und treffen fundierte Entscheidungen, die speziell auf die Bedürfnisse eines Unternehmens abgestimmt sind. Sie verknüpfen Datenquellen nahtlos, orchestrieren Workflows und ermöglichen eine neue Art der Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine.
Der Übergang von SaaS zu AaaS geschieht sicher nicht von heute auf morgen, denn die SaaS-Anwendungen sind oft zu wichtig, um sie schnell zu ersetzen. Fachleute gehen von folgenden Möglichkeiten aus:
- Erweiterung: KI-Funktionen ergänzen die SaaS-Funktionen durch Empfehlungen, prädiktive Analysen sowie automatisierte Workflows.
- Hybridmodelle: In Zukunft werden KI-Agenten und menschliche User nahtlos zusammenarbeiten. So unterstützen die Agenten die Menschen bei komplexen Prozessen; repetitive Aufgaben jedoch erledigen sie gleich selbst.
- Agentenzentrierte Plattformen: Weiter gehen dann agentenzentrierte Plattformen, bei denen die KI-Agenten die Schnittstelle sind und die Systeme autonom mit der IT-Infrastruktur agieren.
Doch AaaS ist nur ein Puzzlestück. Die verstärkte Einbettung von Predictive Analytics und autonomer Prozessoptimierung wird die Art, wie Unternehmen agieren, fundamental verändern. Systeme lernen eigenständig aus Erfolg und Misserfolg und schaffen damit eine Grundlage für Innovationen.
Dabei verschwimmen langsam die Grenzen zwischen Business-Software und Unternehmensstrategie. Anwendungen werden modularer, vernetzter und stärker personalisiert. APIs und Automatisierung bilden weiterhin das Fundament, doch es ist die transformative Kraft der KI, die Unternehmen in die Lage versetzt, dynamisch auf Marktveränderungen zu reagieren und Chancen im Vorfeld zu erkennen.
Fazit
Die vergangenen 15 Jahre haben ERP-, CRM- und Buchhaltungssoftware durch Cloud Computing und Automatisierung radikal verändert. KI-Agenten leiten jetzt eine Ära smarter Prozesse ein, während Trends wie Nachhaltigkeit und strengere Datenschutzauflagen die nächsten Jahre prägen. Unternehmen, die diese Entwicklungen früh adaptieren, sichern sich entscheidende Vorteile – denn Business-Software ist längst kein blosses Verwaltungstool mehr, sondern treibender Faktor für den Erfolg.

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